Internationaler Frauenkampftag

Anlässlich des internationalen Frauenkampftages, veranstalteten wir gestern eine Kundgebung.

„Jede ernste Frauenbewegung muss soziale Kampfesbewegung sein.“

Mit diesen Worten beschreibt Clara Zetkin, eine der Begründerinnen des internationalen Frauenkampftages, den Grundgedanken ihrer Vorstellung des Kampfes für die Emanzipation der Frau.

Im Jahr 1910 wurde der erste internationale Frauenkampftag von Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und anderen Kommunistinnen und Sozialistinnen in die Wege geleitet. Die zentralen Forderungen der ersten Jahre waren das Frauenwahlrecht sowie eine internationalistische und sozialistische Betrachtung der Frauenfrage. Anders als die bürgerliche Frauenbewegung, die sich auf das Streben nach politischer Gleichstellung beschränkte, ging es den kämpfenden proletarischen Frauen von Anfang an um die Befreiung von allen Ketten – von den sozialen, politischen und religiösen Ketten des Patriarchats genauso wie von den ökonomischen Ketten des Kapitalismus.

Gemäß Clara Zetkins Prämisse einer Frauenbewegung, die unterschiedliche soziale Kämpfe verbinden muss, wurde der Frauenkampftag von den ersten Jahren an in verschiedene politische Kontexte gestellt. Ein zentraler Aspekt war schon vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges der Antimilitarismus und der Internationalismus. Vergewaltigungen, Hungersnöte und Zwangsarbeit, zum Beispiel in Munitionsfabriken, machen das Leben der Frauen in jedem Krieg zur Hölle, auch in der scheinbar sicheren Heimat, weit weg von der Front. So spielten gerade Frauen durch Streiks und Demonstrationen eine entscheidende Rolle für das Ende des 1. Welt-Krieges und bei den drauffolgenden sozialistischen Revolutionen, von der Oktoberrevolution bis zur bayerischen Räterepublik. Die internationale Solidarität unter den Arbeiterinnen sollte der Garant für eine weltweite Friedensbewegung sein. Nicht länger sollten die Arbeiterinnen die Leidtragenden imperialistischer Kriege sein. Nicht länger sollten ihr Blut, ihr Schweiß und ihre Tränen Wasser auf die Mühlen der kapitalistischen Kriegsmaschinerie sein!

Sämtliche sozialen und feministischen Errungenschaften wurden jedoch in den darauffolgenden Jahren durch den deutschen Faschismus, Hand in Hand mit konservativen Kräften, bekämpft und spätestens mit der Machtergreifung Hitlers völlig zunichte gemacht. Diese Entwicklung gewann insbesondere durch das Erstarken nationalistischer und völkischer Kräfte im Zuge der weltweiten Krise des Kapitalismus ab 1929 an Einfluss. Sie lässt sich auch an der Geschichte des 8. März nachzeichnen: Er wurde 1933 verboten und an seine Stelle wurde der Muttertag als offizieller Feiertag gesetzt. Ja, derselbe Muttertag, der heute immer noch begangen wird. Hierin zeigt sich die Frauenrolle des Faschismus: eine Gebärmaschine zum Zweck der Erhaltung des sogenannten „Volkskörpers“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die verbreitete faschistische Lüge eines angeblich geplanten „Bevölkerungsaustauschs“ ist nicht zu trennen von der Vorstellung einer Frau, die ihren Körper und ihre Sexualität vollständig ihrem Mann und ihrer Nation unterwirft und nichts tut außer der völkischen Idee entsprechende Kinder zu gebären und zu erziehen. So lässt sich auch der Widerstand von Rechten aller Couleur gegen sexuelle Selbstbestimmung der Frau und gegen die freie Möglichkeit abzutreiben erklären. Daraus folgt, dass jeder Feminismus unbedingt antifaschistisch sein muss!

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Dritten Reich spielte in den kapitalistischen Staaten nicht nur der 8. März, sondern auch die Frauenbewegung als ganze kaum eine Rolle. Das änderte sich jedoch schlagartig mit der 68er Zeit und der zweiten Frauenbewegung. Mit unterschiedlichsten Aktions- und Protestformen setzten Feministinnen verschiedener Strömungen vor allem den Kampf um sexuelle Selbstbestimmung, insbesondere für das Recht auf Abtreibung, auf die Tagesordnung. Die Ursachen der Unterdrückung der Frau konnten jedoch von den meisten Feministinnen nicht genau genug analysiert und wirkungsvoll bekämpft werden, sodass auch diese Welle des Frauenkampfes verebbte.

Ab den 80er Jahren war es der Verdienst von Schwarzen Feministinnen, die bisherigen Frauenkämpfe zurecht dafür zu kritisieren, nicht genug Aufmerksamkeit auf die Lebensrealitäten von Schwarzen Frauen geworfen zu haben. Es muss uns bewusst sein, dass Rassismus und Patriarchat auf vielen Ebenen miteinander verschränkt sind und zusammenwirken. Rassistische Stereotype wie zum Beispiel das der „gewalttätigen, patriarchalen Muslime“ dienen häufig als Rechtfertigungen für Abschiebungen und für imperialistische Kriege im Namen der Menschen- und Frauenrechte. Gleichzeitig wird so das Unterdrückungssystem Patriarchat scheinbar weggeschoben von der „guten, westlichen“ Gesellschaft. Wer auf diese Weise argumentiert, ist im Normalfall genauso lange angeblich „feministisch“ oder „auf der Seite der Frauen“, als die unterdrückten Frauen weiß sind und die Unterdrücker als „nicht zur Nation zugehörig“ eingeordnet werden. Ein Feminismus aber, der nicht internationalistisch ist, ein Feminismus, der nur die Befreiung der deutschen Frauen, nicht die Befreiung aller Frauen zum Ziel hat, ist nicht nur heuchlerisch, sondern auch aus den gezeigten Gründen von Vorneherein zum Scheitern verurteilt! Dasselbe gilt für antirassistische Kämpfe, die die Frauenfrage ignorieren und damit nur auf der Seite rassistisch gebrandmarkter Männer, nicht aber Frauen, stehen!


Eine ähnliche Entwicklung ist bei dem Widerstand gegen die strukturelle Diskriminierung von Transmenschen, Intersexuellen, Homo- und Bisexuellen und queeren Personen zu beobachten. Auch sie mussten den Prozess zur Anerkennung ihrer Konflikte selbst in die Hand nehmen. Dabei steht außer Frage, dass es dieselben, konservativen wie faschistischen, patriarchalen Unterdrückungsmechanismen sind, die sich die Frau an den Herd wünschen und uns das Korsett der Zweigeschlechtlichkeit und der als Norm gehandelten Heterosexualität aufzwingen!


Eine weitere Frage, die vor allem in den letzten Jahren in das öffentliche Bewusstsein gedrungen ist, ist die der Klimakrise und ihrer Eingrenzung. Auch sie ist vom Feminismus nicht zu trennen, denn in vieler Hinsicht leiden Frauen, vor allem im globalen Süden, besonders unter der Erderwärmung. Weil sie sehr oft für die Wasserversorgung zuständig sind, müssen sie weitere und gefährlichere Wege auf sich nehmen, wenn Brunnen austrocknen. Wenn ländliche Gegenden unbewohnbar werden, haben oft nur Männer die Möglichkeit in Städte zu ziehen, während Frauen mit ihren Kindern zurückbleiben. Bei vielen Naturkatastrophen machen Frauen den größten Teil der Todesopfer aus, weil sie zu Hause sind, deshalb oft zu spät gewarnt werden und dann nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder verantwortlich sind. Vor allem aber sind Frauen in zerstörten Gebieten und noch mehr auf der Flucht einem extrem gesteigerten Risiko von sexueller Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen ausgesetzt.
So wie jeder Feminismus also die Klimafrage miteinbeziehen muss, muss auch die Antwort auf die Klimafrage eine dezidiert feministische sein!


Der Motor der Zerstörung des Planeten, genauso wie der permanenten Spaltung, Unterdrückung und Vernichtung von Menschen ist der Kapitalismus. So ist die Frauenfrage auch insbesondere eine ökonomische Frage und ihre Antwort muss sich gegen dieses System richten! Die größten Feinde der Emanzipation – Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Krieg und Klimazerstörung – sie alle werden vom Kapitalismus hervorgerufen und von seinen Staaten durchgesetzt. Von der ultrarechten Regierung Polens, die LGBTIQ-freie Zonen schafft und Abtreibungen verbietet, bis zur EU, die mit ihrer rassistischen Migrationspolitik gezielt mit unvorstellbar grausamen Vergewaltigungs- und Foltercamps in Libyen für Geflüchtete eine Hölle auf Erden aufgebaut hat und aufrechterhält.


Es sind zu einem großen Teil materielle Gründe, also Armut und die Angst vor Armut, die Frauen in die Abhängigkeit von Männern und in schlimmste patriarchale Ausbeutungsverhältnisse wie Prostitution und Leihmutterschaft drängen.


Außerdem lassen sich auf der anderen Seite feministische Forderungen, die ohne radikale Herrschafts- und Kapitalismuskritik formuliert werden, allzu leicht vom System absorbieren. Aber was ist gewonnen, wenn es Frauen statt Männern sind, die mit Bomben im Jemen Hunderttausende töten und jeden gesellschaftlichen Fortschritt unmöglich machen? Wenn es Frauen sind, die dafür sorgen, dass Frauen für einen Mindestlohn Toiletten putzen, unbezahlte Überstunden in der Pflege schieben und nach jahrzehntelangem Schuften Pfandflaschen sammeln müssen? Was ist gewonnen, wenn ein paar Frauen mehr in der Klasse der Kapitalist*innen sind und aus der Ausbeutung anderer Frauen Profit schlagen? Was ist gewonnen, wenn Näherinnen in Bangladesch in 12-Stunden-Schichten T-Shirts mit der Aufschrift „Girl Power“ produzieren?


Ulrike Meinhof drückte diese Kritik an der Inkonsequenz des bürgerlichen Feminismus mit den folgenden Worten aus:


„Aus der Emanzipationsforderung ist der Gleichberechtigungsanspruch geworden. Emanzipation bedeutete Befreiung durch Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, Aufhebung der hierarchischen Gesellschaftsstruktur zugunsten einer demokratischen. Der Gleichberechtigungsanspruch stellt die gesellschaftlichen Voraussetzungen der Ungleichheit zwischen den Menschen nicht mehr in Frage, im Gegenteil, er verlangt nur die konsequente Anwendung der Ungerechtigkeit, Gleichheit in der Ungleichheit […].“


Wir aber stehen hier, um ein Ende der Ungleichheit zu fordern!


Feminismus ist ein Kampf, der all unsere Lebensbereiche durchziehen muss. Ob im sozialen Umfeld, in der Schule, am Arbeitsplatz oder in unseren politischen Organisationen: Der Feminismus muss unsere alltägliche Praxis sein. Dazu ist persönliche und kollektive Selbstreflektion genauso notwendig wie die Schaffung einer revolutionären Perspektive! Sexistische Diskriminierung muss genauso bekämpft werden wie das Patriarchat als Ganzes! Aus der Anerkennung, Teil einer kaputten Gesellschaft zu sein, muss der Anspruch folgen, das kaputt zu machen, was uns kaputt macht!


Dafür halten wir die Solidarität mit internationalen, revolutionären Frauenbewegungen für unabdingbar. Dazu zählt zum Beispiel die in Rojava im Norden Syriens, wo seit 2012 eine feministische, basisdemokratische und, soweit es der Krieg erlaubt, ökologische Revolution gelebt wird, die von Anfang an mit allen verfügbaren Mitteln gegen den Faschismus fundamentaler Islamisten und des türkischen Staates kämpfte. Ohne die militärische Selbstermächtigung der Frauenguerilla und der Frauenverteidigungseinheiten YPJ wäre dort keine Revolution möglich gewesen!


Denn, wie eine Parole der Frauen in Rojava sagt: Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben!


Lasst uns aus dem 8. März eine Gefahr machen für das Patriarchat und den Kapitalismus! Lasst uns eine feministische und antikapitalistische Massenbewegung aufbauen und das verdammte System aus den Angeln heben!

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