Solidarität mit dem Streik in Königswiesen!

Hinter dem Streik – verwobene Unterdrückungen – ein gemeinsamer Kampf:

Dieser Arbeitskampf hat sehr bildlich einige Absurditäten zum Ausdruck gebracht: Arbeiter*innen aus Ländern, die an imperialistischer Ausbeutung ersticken, kommen nach Deutschland, um unseren Wohlstand aufzubauen. Der Großteil des Profits daraus geht aber auch nicht mal an die deutsche Bevölkerung, oder gar an Arbeiter*innen, sondern an die Ausbeuter*innenklasse. Es greifen eine Vielzahl von Ausbeutungsmechanismen, unter Anderem struktureller Rassismus und unterschiedliche Arbeitsverhältnisse. Aber der Fokus darauf, wie vielfach Menschen ausgebeutet und diskriminiert werden, individualisiert die Kämpfe, anstatt daraus einen einzigen Kampf gegen den Kapitalismus an sich zu führen. Währenddessen müssen sich die nicht-Streikenden von ohnehin mangelhaft informierten Linken anhören, dass sie Streikbruch begehen, obwohl auch nur etwa 25 Kundgebungsteilnehmer da sind, weil so viele andere – je nach Auslegung – entweder „verhindert sind“ oder eben „Streik brechen“.

Und schließlich kommt zur Geschichte noch die Rolle der Königswiesener Bevölkerung hinzu. Von den Passant*innen, die sich äußerten, erhielten sowohl die Streikenden, als auch die Kundgebung, ausschließlich Zuspruch. Einigen war schon lange aufgefallen, unter welchen unwürdigen Bedingungen gearbeitet wurde und sie erzählten uns auch, dass die aller Meisten den Bau an sich ablehnten. Während die Stadt von einem gelungenen Bürgerdialog spricht, kritisierten alle, die mit uns sprachen, immer noch, dass sie keinerlei Bedarf hätten an mehr Gewerbefläche. Überfällig wären wohl auch Familienfreundliche und nicht nur auf Einzelpersonen ausgelegte Wohnungen. Klassische Gentrifizierung also. All diese Themen sind eng verknüpft und wir hätten sie in die Stadt tragen müssen. Dieser Streik geht uns alle etwas an, keiner von uns darf sich unbeteiligt fühlen.Wir als SRA nutzen jetzt aber die Zeit, um uns intensiv darauf vorzubereiten den Kampf gestärkt auf die Straße zu tragen.

Stellungnahme der SRA zur Solidarität mit den streikenden Arbeitern auf der Baustelle „Königstor“ in Königswiesen:

Nach dem verwirrenden Ablauf der Solidaritätskundgebungen am 06.08.20 und der unvollständigen Berichterstattung, möchten wir versuchen, die Ereignisse, sowie unsere politische Einschätzung und Haltung dazu klarzustellen. Es hat, vor allem aufgrund personeller Engpässe und persönlicher Verwirrung, nicht so geklappt, wie wir uns das in Zukunft wünschen. Trotzdem halten wir den sofortigen Einsatz im Falle von Arbeitskämpfen für zwingend notwendig. Aus den Fehlern, die bei diesen zwangsläufig überstürzten Aktionen entstehen können, möchten wir lernen.Nach den ersten Pressemeldungen Mittwoch Mittag über die streikenden Bauarbeiter, haben wir sofort vorort Kontakt zu ihnen aufgenommen, um mehr über ihre Situation und Forderungen zu erfahren. Die Kommunikation war schwierig, aber der Sprecher der Gruppe erklärte uns auf Englisch, dass die Arbeiter aus Ägypten für ein Italienisches Unternehmen arbeiten, welches zusammen mit einigen anderen Subunternehmen mit dem Bau des „Königstor“ Komplexes beauftragt wurde, sowie ihre Forderung daraus bestand, die seit zwei Monaten ausbleibenden Zahlungen zu erhalten. Über unser Angebot, eine Solidaritätskundgebung zu organisieren, freuten sich sowohl der Sprecher, als auch seine Kollegen, für die er übersetzte. Mit diesem Informationsstand haben wir für den nächsten Tag Kundgebungen angemeldet. Die Zielsetzung der ersten Kundgebung, um 11:30 Uhr vor der Baustelle, war es, den Streikenden Unterstützung zu zeigen, aber vor allem auch andere Bauarbeiter*innen zu erreichen, um den Streik möglichst auszuweiten. In diesem Rahmen nahmen wir am Donnerstag Vormittag auch vereinzelt Kontakt zu Bauarbeiter*innen anderer Regensburger Baustellen auf, um ihre Sichtweise zu erfahren und sie über den Streik zu informieren. Zudem war die Uhrzeit 11:30 Uhr so gewählt, in der Hoffnung, dass wir um 12 Uhr auch mit nicht-streikenden Arbeiter*innen in ihrer Mittagspause Kontakt aufnehmen könnten. Das funktionierte auch.Leider hatten wir vor der Kundgebung nicht mit allen Kundgebungsteilnehmer*innen eine einheitliche Position ermittelt. Wir sehen es als absolute Pflicht aller, sich dem Kampf gegen Kapitalist*innen anzuschließen. Alles andere ist eine Form von Streikbruch, auch wenn nicht die eigene Branche betroffen ist. Allerdings müssen wir realistisch genug sein, um zu verstehen, dass dies schlichtweg nicht jeder Person möglich ist, beziehungsweise dass es arrogant ist, diese Einstellung von außen, von tatsächlich beteiligten zu verlangen. Da wir allen Kundgebungsteilnehmer*innen freies Rederecht gaben, kam es zu an alle nicht-streikenden Bauarbeiter*innen gerichtete Beleidigungen. Das unterstützen wir in keinster Weise. Die Ausbeutungsmechanismen sind so erdrückend und komplex, dass dieses Verhalten von weltfremder Überheblichkeit zeugt. Die Kapitalist*innen in Form der Unternehmensleitung bedienen sich aller Mittel, die unser imperialistisches Wirtschaftssystem ihnen bietet, um die Arbeiterschaft zu spalten. Die Schuld dafür bei anderen Arbeiter*innen zu finden, halten wir für von Grund auf falsch. Allerdings gelang es dann in der Mittagspause, mehr Informationen über die Lage zu erhalten. Einerseits konnte sich ein Mitglied der SRA auf italienisch mit den Streikenden unterhalten, außerdem kam ein Gespräch mit nicht-streikenden Arbeiter*innen des selben Subunternehmens zustande. Dabei wurde klar, dass Lohnzahlungen an die Arbeiter*innen teilweise stattgefunden hatten, dass aber das Subunternehmen aufgrund angeblicher Nichterfüllung des Vertrages nicht bezahlt wurde. Einer der Arbeiter, der seinen Lohn anscheinend dennoch erhalten hatte, erklärte ausdrücklich, dass er und seine Kolleg*innen sich deshalb nicht dem Streik anschließen würden, weil das ihre Chefs seien, die streiken. Diese würden nur für ihr eigenes Unternehmen eintreten, würden sich aber nicht um die Interessen ihrer Angestellten kümmern. Die Streikenden stellten es auf Nachfrage so dar, dass sie sich tatsächlich, so der Wortlaut, als die „Bourgeoisie“ sehen, und dass sie, die Streikenden, der Unternehmungsleitung angehören. Aber aus ihrer Sicht, ist das Unternehmen klein und familiär, sodass die Interessen der Leitung und der Arbeiter*innen nicht voneinander zu trennen sind. All diese Informationen kamen aber nur nach und nach und gestückelt hervor, und die akute Situation machte eine umfassende politische Einschätzung sehr schwierig. Wir fassten also den Beschluss, nach Ende der Mittagspause noch abschließend auf Englisch und Deutsch eine Ansprache zu halten, bevor wir die Kundgebung beendeten. Darin war es uns wichtig klarzustellen, dass wir verstehen, wenn Arbeiter*innen sich nicht mit dem Streik ihrer Chefs solidarisieren und dass ein Streik nicht zum Instrument werden darf im Streit zwischen verschiedenen Kapitalinteressen. Aber betont wurde auch, dass dieses Komplexe Konstrukt von internationalen Unternehmen, Subunternehmen und Arbeiter*innen mit unterschiedlichen Verträgen, die auch noch durch Sprachbarrieren getrennt werden, genau dazu dient, die Bauarbeiter*innen und uns Unterstützer zu spalten und gegeneinander auszuspielen. Wir riefen also auch nochmals allgemein dazu auf, diese Spaltung zu überwinden, um nicht nur vertragliche Zahlungen einzufordern, sondern um den Reichtum, der von den Arbeiter*innen erbaut wird, nicht an die Ausbeuter*innenklasse auszuhändigen.Danach kam es zur Entscheidung, die Kundgebung um 18 Uhr abzusagen. Diese war geplant, um den Arbeitskampf in die Mitte der Stadt und der Gesellschaft hineinzutragen und um auch nicht direkt Betroffene zu informieren. Die Absage erfolgte in erster Linie deshalb, weil nur Einzelne SRA Mitglieder vor Ort waren und diese sich nicht zutrauten, die komplexe Sachlage bis zum Nachmittag so aufzuarbeiten, dass wir eine klare und vor allem richtige politische Haltung auf die Straße zu tragen. Ohne dass zu können, erschien es uns arrogant, das Thema für uns zu vereinnahmen und eine Überheblichkeit, welche der Lebensrealität der Beteiligten nicht gerecht wird, wollten wir zwingend vermeiden. Trotzdem bereuen wir den Beschluss, die Kundgebung komplett abzusagen. Im Nachhinein wäre es richtiger gewesen, gerade die Widersprüche zu thematisieren. Der Schwerpunkt hätte einfach auf den Arbeitskampf an sich gelegt werden müssen, sowie auf die Spaltungsmechanismen dieser komplexen, globalisierten Ausbeutung. Trotz der genannten Fehler, würden wir jedes Mal wieder genauso „überstürzt“ handeln. Denn in wichtigen Kämpfen ist es wichtig sofort zu handeln. Wer sich immer zurückhält aus Angst vor Fehlern, nimmt die Ausbeutung kampflos hin. Trotzdem müssen wir natürlich aus unseren Fehlern lernen. In erster Linie arbeiten wir an zuverlässigeren Kommunikationsstrukturen, erarbeiten Strategien, um von Beginn an gründlicher mit den direkt Beteiligten in den Austausch zu kommen, und bilden uns weiter, was die Modalitäten der globalisierten Ausbeutung betrifft.

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