„Die Welt zu Gast bei Freunden“ 1000 Jahre Sommermärchen?

Im Jahre 2006 war Deutschland die ausrichtende Nation der vierjährig stattfindenden Fußballweltmeisterschaft. Unter dem Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ wurde das „kollektive Schuldgedächtnis“ der verbliebenen „links versifften Gutmenschen“ hierzulande in die Mangel genommen.
Der Stolz auf die Nationalfahne, der Stolz auf Deutschland, der Stolz auf „unsere Geschichte“ durfte endlich wieder unverhohlen zelebriert werden. Autokorsos von betrunkenen „Deutschland Fans“, Hitlergrüße, rassistische Beleidigungen und Massenaufläufe sich selbst bejubelnder Patrioten des deutschen Bürgertums miteingeschlossen. Diese sich ins Unermessliche steigende Ekelhaftigkeiten gipfelten in dem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freundinnen“, welches zeitgleich das Motto des größten deutschen Bordells namens „Pascha“ in Köln war.

Wenige Jahre später, 2012, machte der damalige Bundespräsident Horst Köhler von sich reden, als er vollkommen unverblümt militärische Angriffe zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen für legitim erklärte. Im Original liest sich das so:

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Na also – da ist es ja endlich. Der wiedererstarkende Nationalstaat. Das patriotische Bürgertum. Das sich stetig in Aufrüstung befindende Militär, Hand in Hand für „UNSERE WIRTSCHAFTLICHEN INTERESSEN“ kämpfend.
Soweit so schlecht. Ein gigantischer Wirtschaftsboom in der Bundesrepublik begleitete in diesen Tagen diese Diskussion. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Großteil des Bürgertums die selbst herbeigebombten Flüchtlingsströme aus dem Balkan nach dem ersten deutschen Angriffskrieg 1998/1999 nach dem Ende des 2. Weltkriegs im ehemaligen Jugoslawien schon wieder vollkommen vergessen. Die Hetzjagden und systematischen Angriffe auf Geflüchteten-Unterkünfte in Rostock und Hoyerswerda waren längst Geschichte. Im Verständnis des deutschen Bürgertums gab es einfach keine Nazis. Die Zeiten der vollbesetzten Ränge von „richtigen Nazis“ in den Regierungsbänken, in den Behörden, Gerichten, Polizeidienststellen, Restaurants, Theatereinrichtungen, Krankenhäuser usw. waren lange vorbei. Ohne Schuld ins neue Jahrtausend. Unzählige PR-Agenturen für ebenso unzählige Interessensfraktionen bemühten sich bei Kräften dieses Bild wirkungsvoll in den „Deutschen Volkskörper“ zu verpflanzen“. Längstens hatten organisierte Naziterrorzellen mit tatkräftiger Unterstützung des deutschen Inlandsgeheimdienstes, Innenministerien, einschlägigen Parteien und „freien Kameradschaften“ eine rassistische Serie von Morden und Sprengstoffanschlägen in der BRD begonnen. Die SOKO „DÖNER“ terrorisierte parallel dazu unzählige Hinterbliebene der Verfassungsschutz- und Neonazimorde.
Die Freiheit der Bundesrepublik wurde zu diesem Zeitpunkt schon am Hindukusch verteidigt, so wie es der damalige SPD Politiker Struck formulierte. Zehntausende deutsche Soldaten schoben in Vorderasien ihren Dienst, um die bundesrepublikanische Bündnistreue unter Beweis zu stellen. Tausendfacher Mord und Zerstörung auch unter der direkten Verantwortung deutscher Soldaten waren allgegenwärtig.
Irgendwas muss passiert sein. War es der Irakkrieg mit über einer Million toter Menschen. War es die Intervention in Afghanistan, die Destabilisierung in Libyen oder die Umstürze in Tunesien und Ägypten, welche weltweit 60 bis 90 Millionen Menschen dazu zwangen ihre Heimat zu verlassen um unter lebensgefährlichen Umständen Schutz in sichereren Breitengraden zu suchen? Nein. Das ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist ein Teil eines Mosaiks des es zu verstehen gilt. Sicherlich waren diese Kriege ursächlich für einen Großteil der in Europa schutzsuchenden Menschen. Jedoch sind diese im Verhältnis zu den weltweit Fliehenden immer noch eine Minderheit. Armut, Hunger, Verelendung, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Frauen sind die wesentlichen Gründe, warum Menschen sich gezwungen sehen zu fliehen. Die ökonomische Maxime des derzeitigen neoliberalen Wirtschaftsmodells wird von einigen Historikern schlicht als Imperialismus zusammengefasst. (Nennt es, wie ihr es wollt, die, die etwas dagegen zu unternehmen versuchen, werden am Ende im gleichen Lager sitzen).

Seit 2015, wo sich die vielbesagten „Flüchtlingsströme“ in Richtung Zentraleuropa bewegten, geschah eine Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Abwehrverhalten, Unmoral und Vernichtungsfantasien erstarkten aufgrund einer professionell und ideologisch durchdachten Agenda deutsch nationaler Kräfte in diversen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Arbeitgeberverbänden, Künstlerkreisen, Juristen, Medizinern, Lehrern, Sozialarbeitern usw.
Die in der „Öffentlichkeit“ scharf angeprangerte klammheimliche Freude galt schon längstens nicht mehr einem erschossenen ehemaligen SS-Offizier und Arbeitgeberpräsidenten. Nein. Die klammheimliche Freude bezieht sich auf ein nationales „Wir Gefühl“, das physisch willens und in der Lage war und ist, eine moralisch geistige Grenze nach der anderen einzureißen, um sämtliche hart erkämpften progressiven menschlichen Errungenschaften auch hier in der BRD binnen weniger Jahre zu Nichte zu machen. Koste es was es wolle.

In Polen, Ungarn, Italien, Frankreich, Spanien, Skandinavien, Holland, England, Russland und den Vereinigten Staaten (Aufzählung unvollständig z. B. arabischer Raum) sind radikale rechte Kräfte auf dem Vormarsch oder sie stellen derzeit sogar die herrschenden Regierungen.
Das polizeiliche Aufgabengesetz, das bayerische Psychiatriegesetz sowie das viel gescholtene Integrationsgesetz der CSU stellen historische Meilensteine da, an welchen sich unwiderlegbar ein flächendeckender Rassismus und Nationalismus belegen lässt. Die sogenannte radikale Linke springt fleißig auf AFD-Parteitagen rum, um diese „wirkungsmächtig“ zu stören oder sie versammelt sich mit den Lakaien des nationalistisch sowie neoliberal handelnden und geprägten Bürgertums um verschwindend geringe Idioten vom sogenannten dritten Weg einen „Massenprotest“ entgegen zu setzen während zeitgleich die herrschende Unmoral in Form der CSU ihre tatsächlichen Verbrechen begeht. Die zentrale Problematik besteht darin, dass sowohl die sogenannten Grünen, als auch die SPD, die FDP, die CSU / CDU, die AFD und die ÖDP sowohl die deutsche Staatsräson, den damit verbundenen Nationalismus in Verbindung mit dem übermächtig erscheinenden Kapitalismus zentral befeuern, vertreten, ideologisch ausbauen, reproduzieren und dezidiert mit allen Mitteln zu verteidigen bereit sind. (Namenloser Bürger: „Mehr Polizei“)
Schöne Scheiße – und jetzt?

Ab ins Studi-zimmer, Marx lesen und mit einer individuell ausgeprägten kritischen Arroganz auf all das Gucken was an Ungerechtigkeit stattfindet, während Mensch sich explizit seiner individuellen Karriere hingibt und versteckt?
Zum Teufel mit dieser Selbsttäuschung. Hier sieht man wieder die katholizistische, ansozialisierte Unterdrückung in der Semantik im Freistaat. Chemnitz bedeutet hoffentlich für uns alle: Raus auf die Straße. Keinen Fußbreit den Faschisten. Deutsche Angriffskriege bedeuten hoffentlich ebenso für uns alle: Keinen Fußbreit diesen Menschenschlächtern für Profitinteressen. Es gibt eine Kontinuität des Faschismus in Deutschland, es gibt eine ökonomische Logik hinter dem Kapitalismus. Nochmal. Nennt Ihr sie wie ihr wollt. Für uns ist das Imperialismus.
Kämpfen! Den Widerspruch nicht aus dem Weg gehen. Durchhalten. Sich organisieren. Immer und immer wieder zuschlagen bis entweder einem die Hand abfällt oder diese von den Verhältnissen abgehackt wird.

In Liebe,
gez. Sozialrevolutionäre Aktion

 

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