Mahnwache für verstorbenen Geflüchteten in Deggendorf

Am 17.03.2018 haben sich um 14.00 Uhr rund 100 Menschen, überwiegend Bewohner*innen des Deggendorfer Transitzentrums, in Deggendorf versammelt, um an den verstorbenen Lamin Conde aus Sierra Leone zu erinnern.

Nachdem er schwer krank nach Italien deportiert worden war, hatte er sich nach Deutschland zurückgeschlagen, da er dort völlig ohne Vorsorgung auf der Straße leben musste. Dort angekommen wurde er endlich in eine Klinik eingeliefert. Allerdings kam jede Hilfe zu spät und er verstarb im Krankenhaus. Noch kurz vor seinem Tod wurde noch einmal versucht, ihn aus dem Krankenhaus abzuschieben.

Die Mahnwache wurde von der kirchlichen Organisation „Matteo“ und der Linken organisiert.

Die Reden der Kirche suchten einen Schuldigen und forderten unter anderem bessere medizinische Versorgung und eine Einbindung der Geflüchteten in die Gesellschaft.

Uns fehlte dabei aber auch ein Fingerzeig in die Richtung der Kirche, die selbst nur geringe Mittel und Maßnahmen an diejenigen weiter gibt, die so viel mehr an Unterstützung benötigen würden, als nur ein Verweis drauf, was alles besser gemacht werden muss.

Trotz scharfer Kritik an den Zuständen in den Abschiebelagern, fehlte außerdem die Forderung eines Bleiberechts für alle Geflüchtete, und das damit einhergehende Bewusstsein, dass die gesamte Problemlage von der deutschen Politik selbst erschaffen wurde. Erschreckend war außerdem wie viel Mitleid manche Redner*innen mit den Deggendorfer*innen ausdrückten, die ein solches Lager in ihrer Stadt ertragen müssten. Diese Aussage ist ironisch bis zynisch in einer Stadt, wo die Geflüchteten davon erzählen, dass sie sich möglichst von der Innenstadt fernhalten und insgesamt ungern das wirklich nicht gemütliche Lager verlassen, um ständige Anfeindungen und Drohungen zu vermeiden.

Nichtsdestotrotz wurde den Geflüchteten die Möglichkeit eingeräumt das Wort zu ergreifen und Ihrer Trauer und Wut Gehör zu verschaffen.

Diese waren sehr emotionalen Reden derer, die nur in Freiheit und Frieden leben wollen. Es waren die Mitorganisator*innen der Deggendorfer Aufstände, die klar benannten, welche Rolle die Deutsche Asylpolitik, sowie globale Ausbeutung, beim Tod von Lamin spielten. Als Lamins bester Freund das Wort ergriff, drückte er vor allem eines aus: Verzweiflung und Wut. Nur übesetzt wurde das falsch. Das Deutschsprachige Publikum bekam zu hören er sei lediglich traurig. Besonders war auch, dass sich in dieser gemeinsamen Notlage die Menschen aus Aserbaidjan sich zahlreich solidarisierten mit ihren Lagergenossen aus Sierra Leone. Auch hier war die Übersetzerin zögerlich, die klaren Worte der Redner auszusprechen und distanzierte sich von Aussagen, wie „ Wir alle sind Opfer der internationalen Politik.“ In vergangenen Monaten haben die verschiedenen Nationalitäten im Deggendorfer Lager immer wieder die Spaltungsbemühungen überwunden und Kontakt zueinander gesucht.

All diese Redner*innen zeigen uns nur eines: dass es nötig ist dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten und dass wir alle nicht wegsehen dürfen, wenn die Willkür des Staates Leben fordert, nicht nur mehrere tausend Kilometer entfernt, sondern in unserem direkten Umfeld.

Zeigt euch solidarisch, sprecht über diese Zustände und tragt sie an die Öffentlichkeit, da es nötig ist auf diese missachteten Menschenrechte aufmerksam zu machen, immer und überall!

 

Gezeichnet Sozialrevolutionäre Aktion Regensburg

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