Kommando Thurn und Taugt Nix

Liebe Leute,

das sogenannte „Kommando Thurn und Taugt Nix“ hat zum 16.12.2017 um 17 Uhr am Bismarckplatz zu einem Umzug durch die Altstadt von Regensburg aufgerufen, um dem Regensburger Adel und dessen Machenschaften endlich angemessen Paroli zu bieten. Dieser Schritt mag bei dem einen oder anderen Menschen Fragen aufwerfen, welche wir unter anderem mit diesem Text beantworten wollen.

Wir haben Gloria von Thurn und Taxis den Kampf angesagt, da diese Person unserer Meinung nach stellvertretend für mehrere aktuelle Phänomene und Prozesse in Deutschland steht, welche wir aufs Schärfste ablehnen. Genauer geht es um den allseits bekannten und derzeit häufig gehörten Begriff „Rechtsrutsch“ welcher einer genaueren Untersuchung unterzogen werden sollte, um zu verstehen was derzeit auch hier in Regensburg passiert. Hierbei ist zu erwähnen, dass seit dem angeblichen Beginn der sogenannten „Flüchtlingskrise“ eine verschärfte gesellschaftliche Spaltung vorgenommen wird, maßgeblich angefeuert von diversen politisch rechten Akteuren. Unter diesen Akteuren befinden sich entsprechende bürgerliche Parteien wie z. B. die Sozialdemokraten, die CDU/CSU, die AFD, die FDP und die Grünen aber auch Teile der Gewerkschaften und andere nichtstaatliche Organisationen bis hin zu faschistischen Gruppierungen. Innerhalb der letzten Jahre wurde von zahlreichen dieser Kräfte, welche über diverse Parlamentarierinnen auf Bundes- und Landesebene verfügen, zu einem unausgesprochenen gesellschaftlichen Konsens beigetragen. Das Zentrum dieses Konsenses ist eine wirtschaftspolitische Ideologie, welche die bestehende Ökonomie in ihrem permanenten Anpassungsprozess weiterhin reibungslos aufrechterhalten möchte. Hierbei geht es in erster Linie darum, eine breite gesellschaftliche Akzeptanz zu generieren, um die Produktion von Waren und Dienstleistungen für diese und andere Konsumgesellschaften vorzunehmen, auch wenn die massenhafte Verelendung der Menschheit sowie eine ökologische Megakatastrophe, Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Flucht wesentliche Symptome davon sind. Sicherlich haben Flüchtlingsströme diverse Ursachen. Jedoch kann man ohne Wenn und Aber feststellen, dass die weltweit existierenden Verteilungskämpfe zur Abschöpfung von Profit eine Konkurrenzspirale mit sich bringen, welche in den letzten 20 Jahren vermehrt zu großen Kriegen geführt hat, in welchen eben auch deutsche Soldaten im Einsatz für angeblich „deutsche Interessen“ ein wesentlicher Bestandteil waren. Dabei spielen zentrale Überlegungen zur Aufrechterhaltung der Warenproduktion eine ausschlaggebende Rolle. Ohne entsprechende Energiequellen, notwendige Rohstoffe, dafür notwendige sicherere Handelswege und dann eben auch immer größere Absatzmärkte funktioniert das derzeitige Wirtschaftssystem nicht. Ein solches würde zeitnah kollabieren sofern eines dieser vier Aspekte nicht mehr ausreichend zur Verfügung gestellt werden könnte. Dementsprechend benötigen Unternehmer ein weltweites Handelsnetzwerk. Eine Aufgabe des Nationalstaates ist es, für ein entsprechendes Netzwerk zu sorgen bzw. ein solches für sich zu gewinnen. Dabei geht es, getreu einer unternehmerischen Grundlogik, um das Recht des Stärkeren. Ein moderner Nationalstaat ist nur so stark wie die dort beheimatete Wirtschaft ist. Aus dieser erschließen sich entsprechende Interessen wo, wann und wie eingegriffen werden muss um ganz im Sinne eines nach innen neutralen staatlichen Gestalters für möglichst viele Unternehmen die besten Ausgangsbedingungen für effizientes Wirtschaften zu schaffen. Eine derartige ökonomische und militärische Macht wie sie Deutschland gegenwärtig darstellt, ist deshalb weltweit vertreten. Die Auswirkungen des staatlichen, aber auch des unternehmerischen Handelns haben nicht nur hier, sondern eben auch weltweit Konsequenzen. Dies bedeutet, dass sich von zahlreichen Studien diverser Institute, Universitäten, internationalen Organisationen usw. bestätigen lässt, dass die weltweiten sozialen und ökologischen Umstände sich dramatisch verschärfen. Die absolute Mehrheit der Geflüchteten, die derzeit in der Bundesrepublik leben oder sich noch auf dem Weg befinden, um nach Zentraleuropa zu gelangen stammen aus Ländern, in denen brutalste Ausbeutung und Unterdrückung bis hin zu offenen Kriegen an der Tagesordnung sind. Wie bereits erwähnt spielen in einer Vielzahl dieser Konflikte deutsche Unternehmen oder die Bundesrepublik Deutschland als Staat eine mächtige Rolle. Ungeachtet dieser Situation möchte man dieses Wirtschaftsmodell unwidersprochen aufrechterhalten. Dazu ist es notwendig, eine gesellschaftliche Akzeptanz bzw. Ignoranz für diese Umstände zu schaffen. Wichtig dabei ist es, die unmittelbare Konsequenz eines solchen Wirtschaftens nicht zu erwähnen oder bestenfalls verzerrt darzustellen. Immer wieder darauf zu verweisen, dass ohne dieses System der eigene angeblich überlebensnotwendige Wohlstand in Gefahr wäre. Die Bedrohung rational nicht in der Existenz dieses Wirtschaftssystems zu verorten, sondern diejenigen zu entwerten, welche aus unerträglichen Umständen fliehen mussten. Dabei spielt der Rassismus eine zentrale Rolle. Es wird eine „Wir“-und- „Die“-Konstruktion gesetzt und durch eine Vielzahl medialer, kultureller, sozialer, wirtschaftlicher und politscher Inszenierungen in die Gehirne verpflanzt. Wie ist sonst eine derartige Angst vor Terroranschlägen zu verstehen, die hier bei „uns“ stattfinden könnten, während zeitgleich tausende Terrorakte staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen weltweit täglich praktiziert werden. Es ist komisch aber notwendig zu erwähnen, dass bei einem Anschlag in der Bundesrepublik vor einem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin ein Dutzend Leute ums Leben kamen, während die bundesrepublikanische Konsumgesellschaft, ihre Wirtschaft sowie ihre parlamentarischen Vertreterinnen ein Vielfaches an unerträglichem Leid und Tod täglich rechtfertigen. Eine eindimensionale Massenfokussierung auf singuläre bzw. seltene Vorkommnisse soll stetig von einer grundsätzlichen Debatte über die Legitimation dieses Wirtschaftssystems ablenken. Um diese Debatte zu verhindern benötigen entsprechende Akteure Feindbilder, die diese Gesellschaft mittlerweile wieder genügend zu Verfügung gestellt bekommen hat (bzw. selbst entwickelt hat). Antisemitismus und Rassismus in der Bundesrepublik sind derart weit verbreitet, dass offizielle Untersuchungen diesbezüglich bzw. die entsprechenden Ergebnisse bewusst keine besondere öffentliche Würdigung erfahren. Die Fürstin in ihrem Schloss, welches nach dem bisherigen Erklärungsmodell von der Erschaffung von Reichtum nichts anders darstellt als ein undemokratisches Verbrechen, verbreitet genau diese Art von Ressentiments und Verachtung gegen die Schwächsten der Menschheit. Unentwegt kommen abfällige Kommentare über Geflüchtete aus ihrem Mund. Schon vor etlichen Jahren wurde die Fürstin durch eindeutig rassistische Statements in der Öffentlichkeit bekannt. Gloria von Thurn und Taxis ist eine Milliardärin. Das ihr zur Verfügung stehende Vermögen hat sie weitestgehend geerbt. Dies bedeutet, eine Vielzahl von Menschen musste hunderte Jahre den Reichtum ihrer Familie durch harte Arbeit und schlecht entlohnt erschaffen. Es gehört zu einer gängigen Praxis vieler Herrschender, die Religion – hier in Regensburg speziell den Katholizismus – zu nutzen, um mit mittelalterlicher Moral und entsprechenden Wertevorstellungen den Menschen einzuflößen, dass sie in Demut ihr Schicksaal hinzunehmen haben. Dass Schicksal der Menschen gestalten wollen allerdings diejenigen, die für sich arbeiten lassen. Es ist unserer Meinung nach zynisch und pervers, dass die Milliardärin Gloria sich in einer christlich fundamentalistischen Sekte angeblich für „Das Recht auf Leben“ einsetzt indem sie gegen Frauen mobil macht, welche sich für eine Abtreibung entschieden haben. Zeitgleich hetzt Sie gegen Geflüchtete, deren Leben ihr einen Dreck wert sind.
Dieses Verhalten kennt man zwar schon seit eh und je, insbesondere von der katholischen Kirche, jedoch ist diese offene und unverhohlene Art von Gloria in Regensburg tatsächlich herausragend. Die Regensburgerinnen und Regensburger konnten mit eigenen Augen lesen, was die Fürstin Gloria bei dem Regensburger Missbrauchsskandal zu sagen hatte. Auch hier verhöhnte sie in einer beispiellosen Art die Opfer sexueller Gewalt und nahm die Täter, das heißt die katholische Kirche, in Schutz. Gloria bekommt leider in Regensburge von diversen, teilweise ebenso rechtslastigen Medien die Möglichkeit, ihre reaktionären, rückwärtsgewandten, antiaufklärerischen und dummen Statements abzulassen. Es ist vermutlich nur damit zu erklären, dass der sogenannte „Rechtsrutsch“ schon große Teile der hiesigen Gesellschaft befallen hat, warum nicht schon längst ein Sturm der Entrüstung Gloria entgegenweht. Wir wollen dies ändern. Für uns steht Gloria in dieser Aktion zwar nur stellvertretend für entsprechende Prozesse und Phänomene, sie hat jedoch unserer Meinung nach eine persönliche Verantwortung und ist diesbezüglich auch zur Rechenschaft zu ziehen. Der mittelalterliche Aufzug soll der Historie des Verbrechens des Hauses Thurn und Taxis Rechnung tragen, welches von der Feudalgesellschaft bis in die bürgerlich kapitalistische Gesellschaft eine gewisse Kontinuität aufweist. Seit eh und je stand für viele mehr oder weniger progressive Menschen die soziale Frage im Mittelpunkt ihres politischen Wirkens. Die Bauernaufstände sind ein Thema, welches symbolisch in die Aktion mit einfließt, jedoch eine differenzierte historische und politische Analyse benötigt, um sich auf Teilaspekte zahlreicher sogenannter „Bauernaufstände“ zu beziehen. Andere wiederherum lehnen wir natürlich ab. Angemerkt werden muss auch der historische Kontext der Aufstände. Diesem Rechnung zu tragen ist bei einer etwaigen Analyse notwendig. Diese hier darzulegen würde den Rahmen sprengen. Diesbezüglich ist das Buch „Der große deutsche Bauernkrieg“ von Zimmermann zu empfehlen. Das selbige gilt für entsprechende Symboliken aus der französischen Revolution. Wir beziehen uns hierbei nicht auf die französische Revolution im Gesamten. Wir werden diese auch nicht unkritisch hochjubeln. Jedoch sind auch hier ein paar zentrale Aspekte erwähnenswert und haben noch bis heute ihre Gültigkeit bzw. eine progressive Symbolkraft.
Wir versuchen durch diese Aktion gesellschaftlich relevante Thematiken in die Öffentlichkeit zu bringen, eine klare Positionierung vorzunehmen um dadurch zu wilden, emotionalen, interessierten und lustigen Diskussionen beizutragen die in den Hinterhöfen und WG-Zimmern beginnen sollen um schlussendlich auch zu den Regensburger Stammtischen vorzudringen. In diesem Sinne: Helfen wir alle zusammen, Regensburg in Wallung zu versetzen und unsere Standpunkte deutlich in die Öffentlichkeit zu tragen.

Solidarische Grüße,

in gespannter Erwartung verbleibend

sozialrevolutionäre Aktion

 

Ein Gedanke zu “Kommando Thurn und Taugt Nix

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