Internationale Klimaprotest Fridays for Future am 20.09.19

Auch wir waren wieder als antikapitalistischer Block am internationalen Klimastreik zu Fridays for Future beteiligt, um ein klares Statement gegen die ausbeuterischen Verhältnisse auf der ganzen Welt zu setzen. Insgesammt sollen, inklusive der Fahrraddemo und der erfolgreichen Menschenkette um die Altstadt, bis zu 4000 Personen in Regensburg an den Protesten teilgenommen haben. Quer durch alle Altersschichten hindurch. Wir haben uns auch darüber gefreut abermals eine Rede auf dem Domplatz halten zu können, welche wir euch in voller Länge noch einmal zur Verfügung stellen wollen:

„Die Welt ist doch schön.
Die Sonne scheint, wenn sie nicht gerade vom Rauch brennender Regenwälder verdeckt ist. Die Blumen blühen, wenn sie nicht gerade zubetoniert werden, um darauf Kaufhäuser und Luxuswohnungen zu bauen.
Die Bienen summen in der Luft, wenn sie nicht gerade auf den Monokulturen von Großbauern an Glyphosat verrecken.
Die Polizei sorgt für unsere Sicherheit, wenn sie nicht gerade Aktivist*innen im Hambacher Forst zusammenhauen und unsere Politiker*innen haben alles im Griff. Wenn sie überhaupt noch etwas sehen, bei der Tiefe wie sie im Enddarm der Auto-, Energie- und Rüstungsindustrie stecken.

Machen wir uns nichts vor. Die Welt könnte ein Paradies sein, doch es wurde die Hölle daraus gemacht. Ich werde jetzt nicht explizit auf die Details eingehen, wie der Abgrund aussieht auf den wir zusteuern. Ihr seid diesbezüglich informiert genug. Deshalb seid ihr schließlich auch hier. Ich möchte mit euch lieber über die Ursachen reden, warum wir noch nicht in der Lage sind wirksamen Umweltschutz zu betreiben.

Das Wissen und die Technologie, um eine Katastrophe zu verhindern, sind da, sie liegen nur in den falschen Händen. Amazon, ein hochtechnologisiertes Unternehmen, ist in der Lage in Echtzeit Waren zu sortieren und zu verpacken, obwohl die Kundschaft den bestellten Artikel lediglich nur in den Warenkorb gelegt und nicht einmal gekauft hat. Wir sind in der Lage innerhalb von Sekunden Daten von einem Ende der Welt zum anderen zu schicken. Selbst wenn es nur Katzenbilder sind. Doch es wird sich nichts verändern, wenn die Verhältnisse die alten bleiben. Wenn die Mittel in den Händen derjenigen sind, die unsere Zukunft und die der ganzen Welt für bares Geld verramschen.

Und selbst die beste Technologie, das fair gehandelste T-Shirt oder das chemikalienfreie Bio-Obst aus regionaler Landwirtschaft bringen nichts, wenn es sich nicht alle leisten können! Es ist genauso menschenverachtend und ignorant, von oben auf die Menschen herabzuschauen, die sich umweltschädliche Billigprodukte kaufen müssen, weil sie ihr Geld in die Rachen von Immobilienkonzerne stecken müssen, arbeitslos sind oder ihnen ein gerechter Lohn vorenthalten wird! Wir brauchen eine Lebensweise, die dem Menschen und seiner intakten Umwelt dient und nicht den Profitinteressen einiger weniger!
Wir müssen aufhören auf jede einzelne Befindlichkeit derer Rücksicht zu nehmen, die eh schon alles haben. Und damit meine ich superreiche Familien wie Quandt, Schwarz oder Albrecht. Ich meine die Konzernvorstände wie die von Siemens, Deutsche Wohnen, Daimler, Aldi, Deutsche Bank, Rhein-Metall oder BMW! Ihr Reichtum basiert auf der Lüge, dass er für alle erreichbar wäre, wenn man sich doch nur genug anstrengen würde.
Doch sie haben uns nicht gefragt, ob es o.k. ist, wenn sie dringend benötigten Wohnraum mit Villen und Luxuswohnungen zupflastern. Sie haben uns auch nicht gefragt, ob es o.k. ist, Menschen in anderen Ländern auszubeuten, in sklavenähnlichen Zuständen zu halten und dabei auf den Umweltschutz pfeifen, um maximalen Profit herauszuschlagen.
Sie müssen uns auch nicht fragen, denn durch ihren pervers großen Reichtum brauchen sie das auch nicht zu tun! Ihre Macht geht so weit, dass sie damit gewählte Politiker*innen beeinflussen und quasi für sich arbeiten lassen können. Die 1000 reichsten Menschen in Deutschland vereinen eine Summe von 1 Billion Euro auf sich. Das ist so viel wie 1/3 des gesamten Bundeshaushaltes. Anders kann ich mir zum Beispiel die Hinterzimmergespräche mit dem Energiekonzern RWE und dem nordrhein-westfählischen Innenminister Reul nicht erklären, als es darum ging die Polizei rechtswidrig dazu zu benutzen den Hambacher Forst von den dort lebenden Aktivist*innen zu säubern. Dann sollten wir sie auch nicht fragen, bitten und betteln, dass sie endlich damit anfangen Umweltschutzstandards einzuhalten und mit der rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Natur aufzuhören!

Solltet ihr die Hoffnung in die Parteien legen, die aktuell im Bundestag sitzen, muss ich euch enttäuschen. Niemand hat vor, am Grundgerüst der Ausbeutung von Mensch und Natur, den Kapitalismus, zu rütteln und dieses umzuwerfen. Schon gar nicht die FDP, CDU/CSU und schon gar nicht die Rechtsextremisten und Klimawandelleugner der AfD. Ihre Politik basiert auf Kompromissen und das sieht dann oft so aus, dass die Politik den Klimaschutz den Profitinteressen der Unternehmen zurückstellt. Doch es darf in dieser Hinsicht keine Kompromisse mehr geben! Es gibt nur eine Hoffnung für uns und zwar, dass wir endlich selbst aufstehen und uns wehren! Es gibt genug Menschen in Deutschland und auf der Welt, die diesen Schritt schon gegangen sind.

Mein tiefster Respekt geht daher an die Menschen, die das Gesetz brechen müssen, damit unser Planet lebenswert bleibt. Meine Solidarität mit den Menschen, die in Massenzuchtbetriebe einbrechen, um die dortigen Perversionen an die Öffentlichkeit zu bringen. Meine Solidarität mit den Menschen von „Ende Gelände“, die sich an Kohlebagger ketten, um auf den Raubbau an der Natur aufmerksam zu machen. Meine Solidarität an die Menschen, die den Hambacher Forst nun seit Jahren besetzen, sich von Bullen verprügeln lassen, um der Geldgier von RWE entgegenzutreten! Meine Solidarität an die Anarchisten und Anarchistinnen im athener Viertel Exarchia, die selbstverwaltete Strukturen aufgebaut haben, um Arme, Obdachlose und Geflüchtete zu versorgen und jetzt von der rechtskonservativen griechischen Regierung gejagt werden! Und zuletzt meinen tiefsten Respekt an die selbstverwalteten Gebiete in Kurdistan, die am meisten Blut im Kampf gegen den sogenannten islamischen Staat verloren haben und nun vom türkischen Faschisten Erdogan bedroht werden. Auch die kurdische Jugend in Rojava nimmt an den Klimaprotesten teil. Sie leben nach dem Konzept des demokratischen Föderalismus, der ohne einen Staat auskommt und in dem sie selbst frei und selbstbestimmt nach den Bedürfnissen von Mensch und Natur, nicht nach den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Konzernbosse, Klimaschutz betreiben können.

Was könnten wir erreichen, wenn wir endlich damit aufhören würden Bitten und Appelle an diejenigen zu richten, denen unser Schicksal sowieso nicht interessiert.

Utopisten nennen sie uns! Sie sagen: Hört mit dem Blödsinn auf und geht zurück in die Schule oder an die Uni, um zu pauken, damit ihr später einen Job bekommt. Was sie aber meinen ist: Geht zurück in die Klassenräume und Hörsäle, fresst dort was wir euch vorsetzen, damit ihr lernt wie ihr später unser Geld verdienen werdet. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich habe keine Lust meine Lebenszeit an jemanden zu verkaufen, der sich davon eh nur den Arsch vergolden lässt!

An all diejenigen die sagen: Das ist doch eh nicht alles möglich, hör auf zu träumen! Ich möchte euch auf ein Gedankenspiel einladen. Es gab Zeiten, da konnten sich Menschen nicht einmal im Ansatz vorstellen, nicht von einem König oder Kaiser regiert zu werden! Es gab Zeiten, da wurden ganze Romane darüber geschrieben wie es wäre über den Himmel oder gar zum Mond zu fliegen! Und es wird eine Zeit geben, an der der Kapitalismus als das erkannt, bekämpft und abgeschafft wird als das was er ist: dem Menschen- und der Umwelt feindlich! Aber das muss erst einmal gemacht werden und das ist die Aufgabe von uns allen!

Wir müssen aufhören nach deren Regeln zu spielen und damit brechen selbst nach Macht und Reichtum zu streben! Wir müssen aufhören uns sagen zu lassen, dass es keine Alternative zum herrschenden System gibt! Wir müssen aufhören uns sagen zu lassen, dass es keine Alternative zum Kapitalismus gibt! Wir müssen aufhören lediglich nur gegen die Umweltzerstörung kämpfen zu wollen, sondern auch die zur Verantwortung ziehen, die ihren Reichtum durch Ausbeutung aufbauen!

Das alles können wir nur gemeinsam. Ihr habt angefangen euch zu bewegen und spürt die Ketten, die euch halten. Und das Zerren an jenen ruft den Widerstand derjenigen hervor, die um ihre Macht fürchten. Auch wenn dieser Widerstand bisher nur im Verteilen von Strafarbeiten, schlechten Noten und Schulverweisen ausfällt. Über kurz oder lang wird es dabei jedoch nicht bleiben. Das verspreche ich euch.

Es wird Zeit diese Ketten endlich loszuwerden die uns an einem schönen Leben hindern. Findet ihr nicht auch?“

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